Peking ernennt ehemaligen Soldaten zum neuen Gouverneur in Tibet

Freitag, 29.01.2010, 07:36 Uhr | Kategorien: China allgemein
Padma Choling

Padma Choling

Mit der heutigen Ernennung eines langjährigen Soldaten zum neuen Gouverneur Tibets hat die chinesische Regierung nach Auffassung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) deutlich gemacht, dass Tibet als militärisches Problem angesehen und dort mit mehr Gewalt gerechnet wird. “Jetzt einen ehemaligen Militär auf diesen Posten zu heben, ist ein Schlag ins Gesicht ausländischer Politiker wie Außenminister Guido Westerwelle, die sich um einen glaubwürdigen Dialog zwischen Peking und der Exilregierung des Dalai Lama bemühen”, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Der Tibeter Padma Choling, der zwischen 1969 und 1986 in Diensten der Chinesischen Volksbefreiungsarmee stand, war am Freitag von dem handverlesenen Regionalparlament Tibets zum Nachfolger des aus Altergründen zurückgetretenen Gouverneurs Qiangba Puncog bestimmt worden. Der 58-Jährige gilt als treuer Unterstützer chinesischer Regierungspolitik.

“Statt nach den blutigen Unruhen des Frühjahrs 2008 auf Ausgleich und Verständigung zu setzen, will Peking den harten Kurs der Verfolgung tibetischer Menschenrechtler offenbar fortsetzen”, kritisierte die GfbV. In seiner Ansprache nach seiner Ernennung hatte der neue Gouverneur denn auch die Bedeutung der “Stabilität” und “Einheit Chinas” betont. Er werde allen Versuchen der “Sezession” mit Entschiedenheit entgegentreten.

Gesellschaft für bedrohte Völker


Pema Thin­ley zum Gou­ver­neur der TAR ernannt: Neu­auf­lage der­sel­ben alten Geschichte

The Tibet Post Inter­na­tio­nal, 18. Januar 2010 -
Die chi­ne­si­sche Regie­rung ernannte einen neuen Gou­ver­neur für die soge­nannte Auto­nome Region Tibet (TAR), der an die Stelle des bis­he­ri­gen, Jampa Phunt­sok, tritt. Die­ser war letzte Woche, drei Jahre ehe er das Pensions­alter erreicht hätte, urplötz­lich aus Grün­den, zu denen sowohl er als auch die Regie­rung schwieg, zurückgetreten.

Der neu ernannte Gou­ver­neur ist der­selbe Pema Thin­ley (auch als Padma Cho­eling bekannt, chin. Baima Chi­lin), der berüch­tigt dafür ist, der füh­rende Kopf hin­ter der unmensch­li­chen Nie­der­schla­gung der Pro­test­ak­tio­nen in Tibet vom März 2008 gewe­sen zu sein. Er ist ein ehe­ma­li­ger hoch­ran­gi­ger Mili­tär, der 17 Jahre lang in der Volks­be­freiungs­armee diente.

Das bedeu­tet, daß nun sowohl der Gou­ver­neur als auch der Sekre­tär der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, der das eigent­li­che Sagen in der TAR hat, aus mili­tä­ri­schem Umfeld kom­men. Wie Rob­bie Bar­nett, ein Tibet-Spezialist an der Colum­bia Uni­ver­sity in New York, sagte, ver­heißt dies nichts Gutes.

„Die Ernen­nung eines ehe­ma­li­gen Mili­tär­of­fi­ziers zu einem lei­ten­den Funk­tio­när Tibets, wo bereits der Partei­sekretär, der die eigent­li­che Macht inne­hat, eine mili­tä­ri­sche Ver­gan­gen­heit auf­weist, läßt schlie­ßen, daß China nun Tibet als ein Pro­blem der mili­tä­ri­schen Kon­trolle ansieht“, äußerte Bar­nett der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters gegenüber.

Neuer Gou­ver­neur in Tibet ernannt: Padma Choling

Den Ton gibt aber der Par­tei­se­kre­tär an
Der Stan­dard (A), 15.1.10 -
Knapp zwei Jahre nach dem letz­ten Auf­stand in Tibet hat die chi­ne­si­sche Füh­rung einen neuen Gou­ver­neur für die nomi­nell auto­nome Region ernannt. Padma Cho­ling, der 17 Jahre in der chi­ne­si­schen Volks­be­frei­ungs­ar­mee diente, über­nahm das Amt am Frei­tag. Er ist damit der for­mal rang­höchste Tibe­ter in der Regio­nal­re­gie­rung. Sein Vor­gän­ger, der Inge­nieur Qiangba Pun­coq, wurde zum Vor­sit­zen­den des Regio­nal­par­la­ments gewählt; er folgt Leg­qog nach, der mit Errei­chen der Alters­grenze von 65 Jah­ren in den Ruhe­stand trat.

Keine poli­ti­schen Auswirkungen

Aus­wir­kun­gen auf die Poli­tik dürf­ten die Per­so­nal­ver­än­de­run­gen nicht haben. Die tat­säch­li­che Macht in der Region wird von der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei und deren Regio­nal­chef Zhang Qingli aus­ge­übt. Zhang hat für eine strikte Kon­trolle der bud­dhis­ti­schen Klös­ter sowie des poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Lebens gesorgt. Der 59-jährige Han-Chinese ist ein enger Ver­trau­ter von Staats– und Par­tei­chef Hu Jin­tao, der selbst in den Acht­zi­ger­jah­ren Par­tei­chef in Tibet gewe­sen war.

Die 1965 errich­tete Auto­nome Region Tibet ist 1,2 Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­ter groß. Sie ist aber wesent­lich klei­ner als das alte Tibet, das große Teile der heu­ti­gen chi­ne­si­schen Pro­vinz Qing­hai und den Wes­ten der Pro­vinz Sichuan umfasste. Der schwer zugäng­li­che bud­dhis­ti­sche Klos­ter­staat war von 1720 bis 1912 chi­ne­si­sches Pro­tek­to­rat und nach dem Ende des chi­ne­si­schen Kai­ser­tums fak­tisch selbst­stän­dig unter der Herr­schaft des Dalai Lama. 1950/51 mar­schier­ten chi­ne­si­sche kom­mu­nis­ti­sche Trup­pen in Tibet ein. 1959 schlu­gen sie einen Volks­auf­stand blu­tig nie­der, der 14. Dalai Lama, Ten­zin Gyatso, floh mit über 100.000 Lands­leu­ten über die Grenze nach Indien.

Bei den Unru­hen Anfang 2008 wur­den in der tibe­ti­schen Haupt­stadt Lhasa nach offi­zi­el­len Anga­ben 22 Men­schen getö­tet, nach tibe­ti­schen Schät­zun­gen liegt die Zahl der Opfer deut­lich höher. Mehr als 950 Men­schen wur­den danach fest­ge­nom­men. Peking stockte die Sicher­heits­kräfte in Tibet mas­siv auf.

Tibetfocus

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