Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen tibetischen Filmemacher
Samstag, 14.11.2009, 10:05 Uhr | Kategorien: Menschenrechte, News AllgemeinErnste Bedenken bezüglich Fairneß beim Prozess.

Dhondup Wangchen
Wie Reporter ohne Grenzen (RSF) am 10. November mitteilten, hat in der Hauptstadt der Provinz Qinghai, Xining, die Gerichtsverhandlung gegen den tibetischen Filmemacher Dhondup Wangchen begonnen. Wie die Anklage gegen ihn lautet, bleibt im Dunkeln. Die Behörden hatten dem von ihm beauftragten Anwalt Li Dunyong aus Peking seine Vertretung verweigert.
Nun, da die Verhandlung hinter verschlossenen Türen stattfindet, bestehen ernste Bedenken bezüglich ihrer Fairneß.
„Wenn man bedenkt, daß sein einziges sogenanntes Verbrechen war, daß er Tibeter zu Zwecken eines Dokumentarfilms interviewte, sollte er unverzüglich freigelassen werden“, sagte RSF. „Ein Gefängnisurteil wäre ein Hohn auf den Geist der Offenheit, der 2008, im Jahr der Olympischen Spiele wiederholt zugesagt wurde“.
In dem Bericht von RSF heißt es, Dhondup habe in einem Brief, den er vom Gefängnis aus an seinen Cousin in der Schweiz schrieb, von der Gerichtsverhandlung gesprochen. „Mein Prozeß hat begonnen. Ich kann Euch leider nichts Gutes mitteilen. Man weiß nicht, wie das Urteil ausfallen wird“, soll er geschrieben haben. Weiterhin sagt er, er habe sich, was den Prozeß betrifft, in sein Schicksal gefügt, mache sich jedoch große Sorgen darüber, daß er, sollte er zu langen Jahren Gefängnis verurteilt werden, seinen alten Eltern nicht mehr beistehen könne, wie es sich für einen fürsorglichen Sohn gebührt.
Dhondups Anwalt Li Dunyong, der gezwungen wurde, den Fall niederzulegen, hatte zuvor berichtet, daß er seinen Mandanten einige Male getroffen habe, wobei dieser ihm erzählt habe, daß er gefoltert wurde und an Hepatitis B leide.
Die Interviews, die Dhondup in Tibet zusammen mit einem Mönch filmte, wurden zu einem Dokumentarfilm zusammengestellt, der erstmals während der Olympiade im August 2008 in Peking einem ausgewählten Publikum vorgeführt wurde. Außerdem wurde er an vielen anderen Orten der Erde gezeigt, so auch in kleinerem Rahmen beim UN-Menschenrechtsrat in Genf.
Gelesen: 144 · heute: 3 · zuletzt: 13. March 2010IGFM München

