Nur noch vereinzelte und bruchstückhafte Nachrichten aus Tibet

Samstag, 21.06.2008, 10:48 Uhr
Kategorien: Widerstand in Tibet

Zuverlässigen Quellen zufolge wurde zumindest ein Tibeter festgenommen, als am 15. Juni vor dem Verwaltungssitz des Bezirks Kardze in der TAP Kardze (chin. Ganzi) friedlich demonstriert wurde. Einzelheiten zu den anderen Demonstranten gibt es noch nicht. Einen Tag zuvor, am 14. Juni, demonstrierte ein Mönch namens Yeshi Palden aus dem Kloster Khangmar Ganden Samdupling in Trehor, Bezirk Kardze, allein vor dem Gebäude des Büros für Öffentliche Sicherheit (PSB) und rief dabei Slogans wie „Lange lebe Seine Heiligkeit der Dalai Lama“, „Seine Heiligkeit sollte nach Tibet zurückgerufen werden“ und „Laßt alle politischen Gefangenen frei“. Das Sicherheitspersonal schlug ihn heftig mit Eisenstangen und nahm ihn dann fest.

Irgendwann im Mai kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen einem chinesischen und einem tibetischen Regierungsbeamten im Bezirk Serthar (chin. Seda). Dabei soll der tibetische Gemeindevorsteher von Horshul, dessen Name mit Loya angegeben wird, von seinem chinesischen Kollegen, dem stellv. Gemeindevorsteher von Serthar, erschossen worden sein. Es ist nicht bekannt, ob der chinesische Beamte zur Rechenschaft gezogen wurde.

Bei einem weiteren Zwischenfall wurde ein Tibeter namens Rangdol unter dem Verdacht, am 16. Mai in Nyichu im Bezirk Serthar statt der roten chinesischen Flagge drei tibetische Nationalflaggen angebracht zu haben, festgenommen. Der zu der Nomadensiedlung von Tseshul gehörende Tibeter wird nun unter Mißhandlungen vernommen und beschuldigt, zu einer Zeit, wo das gesamte chinesische Volk durch das verheerende Erdbeben in tiefe Trauer gestürzt war, gegen die Regierung demonstriert zu haben.

Angesichts der kritischen Situation in Tibet appellieren wir an die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft, sich dringend unserer folgenden Forderungen anzunehmen:

1) unverzüglich unabhängige Untersuchungskommissionen nach Tibet zu entsenden;

2) unverzüglich der freien Presse Zugang zu ganz Tibet zu gewähren;

3) unverzüglich dem brutalen Morden in ganz Tibet ein Ende zu setzen;

4) unverzüglich für die sofortige Freilassung aller festgenommenen und verhafteten Tibeter zu sorgen;

5) unverzüglich die medizinische Versorgung der verletzten Tibeter zu ermöglichen;

6) die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit der Menschen und ihren Zugang zu lebensnotwendigen Gütern sicherzustellen.

Tibetan Solidarity Committee (Tibetisches Solidaritätskomitee)
www.stoptibetcrisis.net

Pressemitteilung, 17. Juni 2008

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)

Gelesen: 16 · heute: 2 · zuletzt: 21. August 2008
Tags: ,

Keine Kommentare

(bitte angeben)
(bitte angeben, wird nicht publiziert)