Tibetern steht eine Welle von Massenverhaftungen bevor
Sonntag, 23.03.2008, 21:46 Uhr | Kategorien: Menschenrechte, News Allgemein, Widerstand in TibetNach mehren Tagen gewaltfreier Proteste in Lhasa und anderen Teilen Tibets gehen die chinesischen Behörden nun allerorten daran, Hunderte von Tibetern festzunehmen.
Am 19. März verhafteten die Behörden der Stadt Lhasa 24 tibetische Demonstranten und nahmen sie in Untersuchungshaft. Dabei ist jetzt schon klar, daß man sie schwerer Verbrechen anklagen und zu langjährigen Haftstrafen verurteilen wird. Inhaftierung zu Ermittlungszwecken ist in China allgemeine Praxis, und vermutlich werden die Festgenommenen innerhalb von fünf Tagen vor Gericht gestellt, was verglichen mit demokratischen Ländern ein unglaublich schnelles juristisches Verfahren ist. Die außerordentlich schnellen Festnahmen und Verurteilungen sind typisch für das chinesische Justizsystem, das die Bevölkerung auf diese Weise in Angst und Schrecken versetzen will, um sie von weiteren Protesten abzuhalten. “Ziegen töten, um die Schafe zu abzuschrecken”, lautet das Sprichwort.
Offiziellen chinesischen Quellen zufolge haben sich bisher 170 Tibeter “freiwillig” gestellt. Obwohl die chinesischen Behörden allen, die sich bis zum 17. März um Mitternacht meldeten, Milde versprochen haben, steht angesichts der Natur des chinesischen Regimes und dessen Umgang mit den tibetischen Demonstranten im Jahr 1989 zu befürchten, daß die Demonstranten von heute mit allem anderen als mit Milde zu rechnen haben. Es bestehen nur sehr geringe Aussichten, daß diejenigen Tibeter, die sich gestellt haben, weniger streng bestraft werden als andere. Bisher wurden über 1.000 Tibeter verhaftet, Hunderte sind verschwunden und die Zahlen steigen ständig.
In ganz Tibet herrschen weiterhin strengste Restriktion und Überwachung und es wird immer wieder gemeldet, daß die tibetische Bevölkerung von Knappheit an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und anderen Versorgungsgütern betroffen ist, ein Notstand, von dem es heißt, daß er absichtlich vom Staat herbeigeführt wurde.
Die Tibeter im Bezirk Ngaba, die am 15., 16. und 17. März protestiert hatten, wurden bereits aufgefordert, sich den chinesischen Behörden zu stellen, wenn sie mit Nachsicht behandelt werden möchten. Ferner sollen sie die Waffen übergeben. Die Häuser von Tibetern, die die Behörden einer Teilnahme an den Demonstrationen verdächtigen, wurden durchsucht. Die Gebetszeremonien im Kloster Kirti wurden auf behördliche Anordnung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Es wurde auch über Fälle von plötzlichem Verschwinden aus der Gegend berichtet.
Das TCHRD ist tief besorgt über die derzeitigen Umstände in den von Tibetern bewohnten Gebieten.
Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)
Top Floor, Narthang Building, Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P., India
Phone/Fax: +91 1892 23363 / 25874, e-mail: dsala@tchrd.org, www.tchrd.org
Pressemitteilung, 21. März 2008
Mitgeteilt und übersetzt durch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Gelesen: 11 · heute: 2 · zuletzt: 4. March 2010

friedlicher Widerstand erscheint zwecklos…